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Verantwortung – auch auf dem Mensa -Teller

Samstag, 4.Dezember 2010 von

Artikel, Sozialpolitik, Studentenwerk

Schon bevor der Bestseller „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer in den Buchläden war der Trend schon deutlich zu erkennen: Immer mehr Menschen verzichten auf Mahlzeiten mit Fleisch. Gerade im studentischen Milieu werden immer mehr vegetarische Mahlzeiten nachgefragt – und das ist aus mehreren Gründen unterstützenswert.

Neben der klassischen Begründung vieler Vegetarier_innen, aus Gründen des Tierschutzes Fleisch vom Speiseplan zu streichen, wird aktuell auch mit dem Argument Klimaschutz für weniger Fleischkonsum geworben. So wirbt der Vegetarierbund zusammen mit der Albert-Schweitzer-Stiftung für den „Veggietag“, das heißt an einem Tag in der Woche sollen in einer Stadt möglichst nur vegetarische Gerichte angeboten werden. Vorreiterin ist die belgische Stadt Gent, in der diese Kampagne in den öffentlichen Mensen und Kantinen auf sehr großen Zuspruch gestoßen ist und mittlerweile auch mehrere Restaurants am Donnerstag, dem offiziellen „Veggietag“ in Gent, nur Vegetarisches servieren.

Und die umweltpolitische Begründung dafür? Die „Fleischproduktion“ und besonders die dafür eingesetzte Massentierhaltung werden von Klimaforscher_innen als einer der großen klimaschädlichen Faktoren angesehen – die UNO geht davon aus, dass ca. 20% des Treibhauseffekts darauf zurückzuführen sind. Neben der extensiven Landwirtschaft, die für die Futtermittelproduktion vonnöten ist, sind es der erhöhte Methanausstoß von den Tieren, die verantwortlich gemacht werden. Für Gent, das mit 240 000 Einwohner_innen vergleichbar zu Kiel ist, wurde berechnet, das ein Tag Fleischverzicht in der Woche so klimafreundlich ist, als ob 20 000 Menschen die ganze Woche über kein Auto fahren würden.

In Gent wurde der Veggietag aber auch aus einem anderen Grund gerade an Schulen sehr begrüßt: Eine fleischarme Ernährung ist gesund und viele Volkskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen und Krebs werden von Ernährungswissenschaftler_innen in Zusammenhang mit einem übermäßigen Fleischkonsum gebracht.

Nicht zuletzt werden für fleischhaltige Nahrung Tiere unter grausamen Bedingungen gehalten und geschlachtet. Für den Veggitag in Gent wurde berechnet, dass pro Woche rund 250 Tiere weniger geschlachtet werden müssen.

Alles gute Gründe für einen bewussteren Umgang mit Fleisch – in den Mensen wird daher auch immer stärker vegetarisches Essen nachgefragt. Aber abgesehen davon, dass immer mehr Verbraucher_innen sich bewusster ernähren wollen, stehen natürlich die Studentenwerke als Anbieter in Deutschland ebenso in der Verantwortung: Will man es Studierenden einfacher machen, sich aus den genannten Gründen in der Mensa verantwortungsbewusst zu ernähren, muss in Zukunft mehr und schmackhafteres vegetarisches Essen angeboten werden. Das bedeutet nicht, alle Fleischgerichte zu streichen – aber die gesetzte Norm von drei Fleischgerichten und einem vegetarischen Gericht kann hinterfragt werden. Genauso muss überlegt werden, ob nicht neben den meist einfallslosen vegetarischen Gerichten wie Gemüseschnitzel oder Kartoffelauflauf auch solche Gerichte möglich sind, die nicht nur Vegetariern Appetit machen.

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5 Kommentare

  1. Joanne Kleisbeck sagt:

    Super, dass ihr euch um das thema kümmert. ich bin seit kurzem selbst vegetarierin und finde, dass die Mensa für vegetarier schon besser geworden ist als frühger. Ich wünsch euch viel erfolg dabei, mehr vegetarische essen zu erreichen!

  2. nessa sagt:

    für die vegetarische fraktion wird ja bereits einiges geboten, den veganern bleibt leider nur der gang zur salatbar. und ehrlich, möchte man sich am grünzeug sattfuttern, reißt das fast ein loch in die geldbörse… für die veganer an der uni wird leider immer noch zu wenig gemacht (obwohl die ein oder andere partei ja gern mal verspricht, sich für die belange der veganer stark zu machen… davon hab ich noch nix gemerkt). in berlin gibt’s bereits jeden tag ein veganes essen in 15 mensen dort (unter dem deckmantel “klimaessen”. bitte, wenn’s hilft.) ick weeß, kiel is’ nich’ berlin, aber ein veganes oder ein klimaessen sollte doch etablierbar sein!? als ottonormalstudi interessiert das studentenwerk nich, was man für wünsche hat (schon versucht) und die berliner mussten auch erst mit der albert-schweitzer-stiftung und co. kommen. als partei habt ihr doch mehr möglichkeiten, dazu wählen wir euch. ist da was machbar?
    schönen gruß, nessa

  3. Benjamin Raschke sagt:

    Hallo nessa,
    du hast natürlich Recht – sowohl bei der Frage, ob nicht veganes Essen angeboten werden sollte als auch bei der Beschreibung der Probleme hier in Kiel. Da ich selbst vegan lebe, kann ich das gut nachvollziehen.
    An zwei Stellen muss ich dir aber etwas widersprechen und zumindest in einem Punkt wird es dir gefallen:
    Erstens kümmert sich das Studentenwerk sehr wohl darum, welche Wünsche von Studierenden formuliert werden. Da ich das zuständige studentische Mitglied im Vorstand des Studentenwerks bin, kann ich das auch beurteilen. Falls es da Probleme gibt, können diese auch gerne an uns studentische Vorstandsmitglieder herangetragen werden.
    Zweitens gibt es am Kieler Standort bereits ein tägliches veganes Angebot: In der Mensa I gibt es an der Nudel-Theke eifreie Nudeln mit einem täglich wechselnden Pesto. In der Caféterie der Mensa I gibt es außerdem immer wieder vegane Angebote wie Couscous-Salat, Wraps o.ä.
    Das ist – zugegeben – erst einmal nur ein Anfang, allerdings bin ich im ständigen Kontakt mit den Mensa-Leitern, um für eine Ausweitung dieses Angebots zu werben. Natürlich gibt es auch einige Widerstände, deshalb muss man da leider viel Geduld mitbringen.

    Also – als Hochschulgruppe haben wir uns des Themas angenommen und arbeiten an einer Verbesserung. Wenn du ebenfalls für mehr vegane Angebote aktiv werden willst, melde dich gerne bei uns (info@jusos.uni-kiel.de) – denn umso mehr Mitstreiter_innen mitmachen, mit umso mehr Druck können wir etwas fordern.

    Rein pflanzliche Grüße,
    Benjamin

  4. Hansi b. sagt:

    Liebe Leute!

    Erstens, lasst mal den Blog nicht einschlafen :)

    Zweitens – stimmt das mit dem veganen Nudelgericht in Mensa 1 noch immer? Hab nämlich ohne dieses Wissen eine Bitte um veganes Essen ans Studentenwerk geschrieben und folgendes zurück bekommen:

    Sehr geehrter Herr XXX,
    vielen Dank für Ihre Bitte, veganen Gerichten ins Mensaangebot auf zu nehmen.

    In unserem vegetarischen Angebot bieten wir bereits hin und wieder vegane Gerichte
    an und orientieren uns damit an der allgemeinen Nachfrage in unseren Mensen. Da der
    Anteil der Veganer nach unserer Information im Bundesdurchschnitt ca. bei 1 % liegt,
    planen wir zur Zeit kein regelmäßiges Angebot veganer Hauptkomponenten. Mit unserer
    reichhaltigen Salatbar, vielen Stärkebeilagen und Gemüse-/ Salatangeboten stehen
    Ihnen täglich verschiedene vegane Komponenten zur Auswahl.

    Für weitere Anfragen, Lob und auch Kritik stehen wir Ihnen gerne weiterhin zur
    Verfügung.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Kristin Dahl

  5. Stefan sagt:

    Blogge seit kurzem über die Themen Vegetarisch & Vegan, Tierschutz & Tierrechte, Jusos & SPD auf meiner Seite: http://stefan-sander.eu

    Werde demnächst wohl auch einen Übersichtsartikel über Vegane Mensen und Jusos schreiben.

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