Prüfungsrecht: Kurzüberblick

Prüfungen sind Teil des Studienalltags. Ihre Ergebnisse sind wichtig für den Studienerfolg.

Zum Teil kommt es jedoch vor, dass in Prüfungssituationen Fragen aufkommen, wie:

Ist das erlaubt? Wie kann ich mich gegebenfalls gegen ungerechte Behandlung wehren?

Auf einige dieser Fragen soll dieser Kurzüberblick* Antwort geben.

Bitte beachte aber, dass die Informationen ohne Gewähr sind und dein Fall nicht auf die genannten Möglichkeiten passen muss. Ansprechpartner*innen

Eure Ansprechpartner*innen bei Fragen zu Prüfungen sind die Fachschaftsvertretungen und der AStA. Die zuständigen Personen im AStA erreichst du unter:

studorg@asta.uni-kiel.de.

Wende dich so früh wie möglich an die entsprechenden Stellen.

Rechtsanwalt im AStA

Der AStA bietet eine Rechtsberatung an, auch für Prüfungsfragen:

www.asta.uni-kiel.de/beratung/asta-beratungsangebote/rechtsberatung/

Deine Prüfungsordnung

Hochschulprüfungen werden aufgrund von Prüfungs- und Studienordnungen abgelegt. Auch die Prüfungsverfahrensordnung ist gerade für Prüfungsabläufe wichtig.

Also lies’ bitte zuallererst die entsprechenden Ordnungen deines Studienfachs!

Am besten bereits zu BEGINN des Semesters!

Du findest sie im Regelfall auf der entsprechenden Homepage der CAU.

Prüfungs- und Studienordnungen werden regelmäßig aktualisiert. Achte auf entsprechende  Änderungsordnungen.

Krankheit, Rücktritt und Versäumnis

Der Rücktritt von der Prüfung wird in der Prüfungsordnung oder Prüfungsverfahrensordnung geregelt.

Der häufigste Rücktrittsgrund ist die Prüfungsunfähigkeit wegen Krankheit. Diese muss vor Beginn der Prüfung angezeigt werden und die Prüfung darf nicht angetreten werden.

Es ist nicht zulässig, mit dem Attest die Prüfung anzutreten und sich danach auf Prüfungsunfähigkeit zu berufen. Wichtig ist, dass dein Rücktritt von einer Prüfung von dir erklärt, also bekannt gegeben, wird.

Wenn du einfach nicht zur Prüfung erscheinst, wird die Prüfung grundsätzlich als ”nicht ausreichend“ gewertet. Es gibt in Einzelfällen die Möglichkeit, dass du deine Prüfungsunfähigkeit erst während oder gar nach der Prüfung feststellst. In diesen Fällen gelten weitergehende Anforderungen an das Attest.

Die entsprechenden Formulare für Bachelor-/Masterstudierende findest du online auf der Homepage der CAU.

Äußere Prüfungsbedingungen, Prüfungsdauer und Rügepflicht

Die äußeren Prüfungsbedingungen müssen aus Gründen der Chancengleichheit für alle Geprüften identisch sein. Gelegentlich treten im Prüfungsablauf jedoch Störungen wie Lärm, Hitze, Kälte oder beißender Geruch auf. Überschreiten diese Störung eine Erheblichkeitsschwelle, können sie das Leistungsvermögen beeinträchtigen. Dies kannst du nach der Prüfung nur geltend machen, wenn du es unverzüglich bei der Aufsicht oder den Prüfenden rügst und um Abhilfe bittest. Die Rüge solltest Du im Protokoll festhalten lassen. Wenn sofortige Abhilfe nicht möglich ist, kann eine Schreibzeitverlängerung gewährt werden. Die Prüfungsdauer wird in der Regel durch die Prüfungsordnung bestimmt und muss, abgesehen vom Fall der Schreibzeitverlängerung, eingehalten werden. Die Prüfenden dürfen diese weder verkürzen noch verlängern, auch nicht, wenn Du zustimmst.

Nachteilsausgleich

Für Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten haben einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Nachteilsausgleiche im Studium und bei Prüfungen. Die Inanspruchnahme des Nachteilsausgleichs wird nicht im Zeugnis vermerkt. Nachteilsausgleiche sollen individuell und situationsbezogen beeinträchtigungsbedingte Benachteiligungen kompensieren. Dafür müssen sie erforderlich und angemessen sein.

Welche Nachweise ihr für die Beantragung eines Nachteilsausgleichs beibringen müsst und welche Prüfungsmodifikationen erfolgen können, erfahrt ihr auf der entsprechenden Seite der CAU.

Einsichtnahme

Nach jeder vollständig abgelegten Prüfung steht dir das Recht auf Einsichtnahme in die Prüfungsakten zu, unabhängig davon, ob du die Prüfung bestanden hast. Du musst die Bewertung nachvollziehen können. Es ist zulässig, diese Einsicht nur unter Aufsicht zu gewähren.

Man muss dir ausreichend Zeit und Platz zur Verfügung zu stellen.

Du bist berechtigt, dir Notizen zu machen.

Legst du Widerspruch gegen die Prüfungsentscheidung ein, so muss dir außerdem zu dessen Begründung ermöglicht werden, Kopien anzufertigen oder anfertigen zu lassen. Die Kosten dafür hast du selbst zu tragen.

Wiederholungsprüfungen und letzter Versuch

Wiederholungsprüfungen müssen nicht zwangsläufig nach den selben Verfahrensregeln wie die erste Prüfung durchgeführt werden. Wenn du eine oder mehrere Prüfungen nicht bestanden hast und den Studiengang oder die Hochschule wechseln möchtest, können sich Schwierigkeiten ergeben. Lass’ dich in so einem Fall beraten.

Leistungen in Prüfungen, mit denen ein Studiengang abgeschlossen wird oder bei deren endgültigem Nichtbestehen keine Ausgleichsmöglichkeit vorgesehen ist, sind von mindestens zwei Prüfenden zu bewerten. Nach gängiger Rechtsprechung darf die Zweitkorrektur aber in Kenntnis der Erstkorrektur und -bewertung vorgenommen werden und dabei die Erstkorrektur bestätigt werden.

Ein Sonderfall ist die Bewertung von Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren (Multiple-Choice). Das Zusammenzählen der Punkte ist keine Bewertung. Die Prüfer*innentätigkeit ist auf das Stellen der Aufgaben vorverlagert. Daher müssen nach aktueller Rechtsprechung bei der Erstellung der Aufgaben zwei Prüfende zusammenwirken

Multiple Choice

Das Antwort-Wahl-Verfahren (“Multiple-Choice”) ist rechtlich besonders umstritten. Gemeint sind Aufgaben, bei denen aus vorgegebenen Antwortmöglichkeiten richtige Antworten ausgewählt werden müssen. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Formen und Bewertungsarten. Das Verfahren ist zwar einfach in der Auswertung, dafür fehlt aber die Möglichkeit, sinnvoll mit fehlerhaften oder mehrdeutigen Fragestellungen umzugehen. Die Bewertung kann keine Rücksicht auf die Richtigkeit von Antworten nehmen, die von der Erwartung der Prüfenden abweichen. Daher gibt es hohe Anforderungen an das Stellen der Aufgaben. Bei Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren muss es immer eine relative Bestehensgrenze geben, d.h. die Gesamtleistung aller Teilnehmenden an einer Prüfung muss berücksichtigt werden. Insbesondere ist eine Prüfung im Antwort-Wahl-Verfahren immer als bestanden zu bewerten, wenn 60 % der richtigen Antworten gegeben worden sind oder wenn die Anzahl der korrekt gegebenen Antworten höchstens 22 % unter dem Durchschnitt derer liegt, die zum ersten Mal an der Prüfung teilnehmen.

Prüfungsanfechtung

Prüfungsentscheidungen sind Verwaltungsakte.

Wichtigstes Rechtsmittel gegen sie ist der Widerspruch.

Mit diesem wendest du dich an die zuständige Widerspruchsbehörde, in der Regel an Deinen Prüfungsausschuss. Der Widerspruch muss schriftlich und begründet erfolgen. In der Regel beträgt die Frist hierfür einen Monat. Sie verlängert sich auf ein Jahr, wenn keine oder eine fehlerhafte Rechtsbehelfsbelehrung erfolgt ist. Der Prüfungsausschuss entscheidet zeitnah über den Widerspruch. Wenn dein Widerspruch nicht erfolgreich ist, kannst du Anfechtungsklage vor dem Verwaltungsgericht erheben. Wenn du nicht weißt, wie oder an wen du deinen Widerspruch richten musst, hilft dir deine Fachschaft oder der AStA.

Eine Prüfungsentscheidung kann aufgehoben werden, wenn gegen Verfahrensvorschriften verstoßen wurde. Wurde ein Fehler bei deinem Prüfungsverfahren gemacht, kann dies ein Anrecht begründen, die Prüfung zu wiederholen. Das gilt aber aber nur, wenn ein Einfluss des Verfahrensfehlers auf das Ergebnis nicht ausgeschlossen werden kann. Hättest du zum Beispiel eine Prüfung auch dann nicht bestanden, wenn du bei einer fehlerhaft gestellten Aufgabe alle Punkte erreicht hättest, so kann der Fehler keine Auswirkung auf dein Bestehen gehabt haben. Die Beweislast dafür, dass ein Verfahrensfehler keine Auswirkungen hatte, liegt in der Regel bei der Prüfungsbehörde. Klageverfahren

Vor Gericht kann neben fachlichen Fragen nur geprüft werden, ob z.B. das Prüfungsverfahren mit erheblichen Fehlern belastet ist, allgemeingültige Bewertungsgrundsätze nicht beachtet wurden oder Willkür vorliegt. Ein Gerichtsverfahren vor dem Verwaltungsgericht dauert länger. Vor allem, wenn eine Prüfung endgültig nicht bestanden wurde, wird daher gleichzeitig ein Verfahren auf Erlass einer einstweiligen Anordnung angestrebt, damit das Studium erst einmal fortgesetzt werden kann.

Folgen

Bei einer erfolgreichen Prüfungsanfechtung wird das Gericht festlegen, wie ein festgestellter Mangel zu beseitigen ist. In den meisten Fällen ist die Prüfung zu wiederholen. Andere haben nichts von deiner Prüfungsanfechtung, sie müssen selbst anfechten.

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Haftungsausschluss

Verbindliche Auskünfte erteilen die jeweils zuständigen Stellen. Die Juso-HSG Kiel, vertretet durch ihren Vorstand, haftet nicht für die Inhalte dieser Informationsübersicht.

 Ihr habt weitere wichtige Hinweise, die hier ergänzt werden könnten: Schreibt uns einfach eine Mail oder kontaktiert uns bei Facebook.

*Dank an den AStA der RWTH Aachen für die Inspiration.

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